Das Konzept Outlet – Viele machen mit, einer gewinnt

Das Konzept Outlet – Viele machen mit, einer gewinnt

Dass angeblich hochwertige Markenartikel gar nicht so hochwertig sind und der Kunde damit mal wieder massiv getäuscht wird, tut dem Erfolg der Outlet-Center keinen Abbruch;(1) auch nicht in Deutschland. Verständlich, dass viele Markenhersteller diesen Vertriebsweg also immer häufiger nutzen wollen. Die Nachfrage nach Outlet-Centern seitens der Hersteller steigt und so auch die Zahl der geplanten Ansiedlungen, die europaweit in Deutschland am höchsten ist.

14 Outlet-Center zählt die Bundesrepublik bereits, neun weitere befinden sich in fortgeschrittener Planung, fünf davon alleine in Nordrhein-Westfalen:(2) Duisburg, Werl, Marl, Remscheid und Wuppertal, in all diesen Städten sollen Factory-Outlet-Center platziert werden. Die beiden letzteren liegen weniger als 15 km auseinander. Zudem steht der Bau eines weiteren Centers im grenznahen niederländischen Zevenaar in den Startlöchern.

Was zählt, ist die Rendite

Doch nicht nur die Hersteller haben Blut geleckt. Hohe Renditen und recht passable Zahlen beim Verkauf von Outlet-Centern machen diese Art der Vertriebsform für Investoren hochgradig interessant. So hatte Ende vergangenen Jahres die britische VIA Outlets Gruppe bei einem Paket-Kauf vier europäische Center für 587 Millionen Euro erworben.(3) Darunter das rheinland-pfälzische Outlet Zweibrücken, das zu den erfolgreichste FOCs europaweit zählt und knapp 50 % des Verkaufspreises ausgemacht hat. Damit erhielt Outlet-Betreiber Neinver knapp 300 Millionen Euro für Zweibrücken, für das Neinver 2007 110 Millionen Euro gezahlt hat. Das Rennen um die besten Standorte läuft und bringt viele gerade Notleidende Städte auf den Plan der Investoren. Nichtsdestotrotz gibt es beim Vertriebssystem Outlet die größte Havariequote unter den Einzelhandelskonzepten. Jedes sechste bis siebte scheitert und durch die eingeschränkte Möglichkeit der Nutzung solcher „Einkaufsdörfer“ bleibt am Ende nur Leerstand.(4)

Wollen wir das alles?

Outlet-Center bringen also Geld, jedoch weniger den Städten, die eingelullt vom Säuseln der Investoren jegliches Urteilsvermögen und jede Selbstbestimmung aufgegeben haben. Die Investoren sind es, die sich ihre Taschen vollpacken und sich wenig darum scheren, wie viel verbrannte Erde sie mit dem Bau eines Outlets im Umkreis hinterlassen. Sie handeln ausschließlich im eigenen Interesse. Auch die städtischen Entscheider tun dies, handeln im eigenen Interesse, nicht jedoch für Stadt und Bürger. Juristische Auseinandersetzungen, die bei so einem Projekt erfahrungsgemäß sehr wahrscheinlich sind, werden in Kauf genommen (siehe Rechtsstreit Remscheid und Wuppertal), Arbeitsplätze und Nachbarschaften wider besseren Wissens aufs Spiel gesetzt.

Muss das sein?

Wollen wir unsere Stadt hergeben, damit sich Investoren an ihr bereichern können? Wollen wir in einer Stadt leben, die sich nur durch das größte Designer-Outlet-Center auszeichnet, obwohl wir das Potential haben, für etwas Anderes, Besseres zu stehen? Für Innovation und Fortschritt zum Beispiel, für vorausschauende Stadtplanung und dafür immer einen Fuß in der Zukunft zu haben. Es ist nicht zu spät, diesen Weg einzuschlagen. Ein Outlet-Center wäre nicht nur kein Schritt nach vorne, es wären zwei Schritte zurück.

Quellen:

(1) Beitrag vom WDR zum Thema „Outlet-Stores: Wirklich günstige Markenware?“ vom 16.11.2016

(2) Ecostra Marktbericht: „Outlet Centre in Europe“ von März 2017

(3) Artikel des Pfälzischen Merkur: „Outlet für wohl 300 Millionen Euro verkauft“ vom 25.11.2016

(4) Artikel des property magazine: „Ein Nischenprodukt wird zu Investors Liebling“ vom 12.07.2016

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