Deutscher Städtetag und Handelsverband beziehen Position: Zukunft der Innenstädte sichern

Deutscher Städtetag und Handelsverband beziehen Position: Zukunft der Innenstädte sichern

„Der Deutsche Städtetag ist der kommunale Spitzenverband der kreisfreien und der meisten kreisangehörigen Städte in Deutschland. In ihm haben sich rund 3.400 Städte und Gemeinden mit fast 52 Millionen Einwohnern zusammengeschlossen“, so steht es auf der Homepage des Deutschen Städtetages (DST) beschrieben. Ein zentrales Ziel ist es, dass Städte handlungsfähig bleiben müssen, denn sie erbringen einen Großteil der öffentlichen Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger. Der DST hat unter anderem eine beratende Funktion für seine Mitgliedsstädte und informiert sie über alle kommunal bedeutsamen Vorgänge und Entwicklungen. Duisburg ist mit tausenden weiteren Städten Mitglied in diesem Spitzenverband.

In einem gemeinsamen Positionspapier vom 19. Juni 2017 setzen sich der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Deutsche Städtetag für einen zukunftsfähigen Einzelhandel in lebendigen Innenstädten ein – durch eine engere Zusammenarbeit von Stadt, Handel und Immobilieneigentümern. „Lebendige Städte verbinden Einkaufen, Wohnen, Arbeiten und Kultur und ermöglichen Kommunikation und Begegnung. Die Innenstädte können trotz stark wachsendem Online-Handel attraktiv bleiben, wenn Online- und Offline-Handel klug kombiniert und dafür neue Geschäftsmodelle entwickelt werden“, so der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy.

Es gelte, eine gute Versorgung der Bevölkerung zu sichern, die soziale Vielfalt der Städte zu erhalten, Leerstände zu vermeiden und Einzelhandelskonzepte weiterzuentwickeln. Die Städte setzen sich deshalb gemeinsam mit dem HDE für eine Verantwortungsgemeinschaft von Stadt, Handel sowie Eigentümern ein und unterstützen Händlerinitiativen.

„Ohne Einzelhandel gibt es keine attraktive Innenstadt. Damit die Händler in Zeiten des wachsenden Online-Handels erfolgreich weiter arbeiten können, muss aber die Infrastruktur stimmen“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

20 Jahre alte Kritik des Deutschen Städtetags zu FOC aktueller denn je

In einem Beschluss des Hauptausschusses des DST hieß es bereits vor Jahren zur Outletthematik, dass FOC zu Lasten des innerstädtischen Einzelhandels und der Innenstädte als Einkaufs-, Kultur- und Erlebnismittelpunkte gingen.

Die Ansiedlung von FOC werde zu einer weiteren Gefährdung der Innenstädte und Stadtteilzentren/Nahversorgungszentren führen, heißt es im Beschluss. Die bereits durch Filialbetriebe, Ketten- und Billigläden etc. eingebüßte Vielfalt, Attraktivität und Erlebnisvielfalt werde, so der Hauptausschuss des DST, noch weiter sinken.

Da sich in den vergangenen 20 Jahren das Konzept des Outletcenters kaum weiterentwickelt hat, ist der Beschluss aktueller denn je. Was auch in Duisburg auffällt: Aktuelle Maßnahmen zur Attraktivierung der Innenstadt/Altstadt werden mit dem Projekt DOC torpediert.

Im Beschluss des DST-Hauptausschusses wurde dies am Vorgehen der Städte, die ein Outlet befürworten, kritisiert: „Die betätigten erheblichen finanziellen Anstrengungen von Bund, Ländern und Gemeinden würden durch die Ansiedlung eines FOC konterkariert. Denn die Innenstädte und Stadtteilzentren haben, was Attraktivität, Urbanität und Wohnwert anlangt, durch Erneuerungsmaßnahmen vielfach einen Standard erreicht, der zu einer weitreichenden Identifikation der Einwohner mit ihrer Innenstadt geführt hat.“

Der DST weist auch auf die Problematik der Negativfolgen eines Outlets hinsichtlich der Größe des Einzugsgebietes hin: „FOC haben aufgrund ihres innenstadtrelevanten Sortiments und ihres großen Einzugsbereiches negative Auswirkungen auf den bestehenden Einzelhandel.“ Besonders betroffen sei weitgehend der mittelständisch geprägte Facheinzelhandel in den Klein- und Mittelstädten, der wegen seiner hohen Standortkosten mit der Preisgestaltung von FOC-Großprojekten kaum konkurrieren könne.

In bestimmten Bereichen (insbesondere Textil/Bekleidung) werde nach Expertenmeinung mit Umsatzeinbußen bis zu 25% in einem Einzugsbereich von 20 bis 30 Autominuten gerechnet, was zwangsläufig zu vielen Geschäftsschließungen führen müsse.

FOC bedrohten fast ausschließlich die typischen City-Vertriebsformen. Jedes FOC werde wegen seines Verdrängungspotentials automatisch zu einem Problemfall für die Stadtentwicklung, so der Ausschuss.

Auch auf Erweiterungen anderer Handelsflächen nimmt der DST in seinem Beschluss Bezug: „Jede Einzelhandelsfläche, die gegenwärtig in Deutschland den Bestand erweitert, löst auf mittlere Sicht einen Kannibalisierungseffekt aus. Der Markt für Einzelhandelsgüter wächst schon seit 6 Jahren praktisch nicht mehr. Wer sich heute neu am Markt etabliert, kann nicht zusätzliche Kaufkraft aufsaugen, er muss die vorhandene einem anderen wegnehmen.“

Ganz drastisch heißt es in dem Beschluss: „Mit der Ansiedlung eines FOC blutet der ortsansässige Handel aus, die Folgen für den innerstädtischen Handel sind katastrophal. Die Folge ist zunächst das Wegbrechen der FOC-Sortimente in den Städten, es kommt zu Leerständen trotz sinkender Mieten. Die Innenstädte werden immer unattraktiver, das „trading down“ ist nicht mehr zu stoppen.“

Es bleibt fraglich, warum immer mehr Städte auf den Zug aufsteigen, trotz bekannter Problematiken. Wollen wir ein Sterben unserer Innenstadt in Kauf nehmen? Die Stadtspitze scheint dies wissentlich zu tun und das DOC dennoch weiterhin als Chance verkaufen zu wollen, sollten sie bei ihrem Beschluss für die Realisierung des Outlets bleiben.

Quelle: Beschluss des Hauptausschusses des Deutschen Städtetags (DST) zum Thema „FOC“ 6:11:1997

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